Kinderbrillen und Brillenkinder

Ob in der Schule, beim Sport, in der Freizeit oder im Verkehr: Auch kleine und junge Menschen brauchen in unserer modernen Gesellschaft ein gutes Sehvermögen. Im Vergleich zu früher sieht man heute mehr Kinder mit Brillen. Dies hat auch damit zu tun, dass die Sehanforderungen gestiegen und die Zusammenhänge zwischen dem Sehen und intellektueller Leistung bewusst geworden sind. Sehschwächen bei Kindern sollten möglichst früh erkannt und abgeklärt werden. Mit der richtigen Brille lassen sich einige Sehfehler therapieren und andere so kompensieren, dass man auch in jungen Jahren – zumindest optisch – das Leben voll im Blick hat.

Schielen – Ursachen, Auswirkungen, Korrekturen

Rund vier Prozent aller Kinder schielen oder haben zumindest eine Neigung dazu. Das sind in der Schweiz gut 3000 Fälle pro Jahr. Schielen kann in den meisten Fällen geheilt oder korrigiert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Behandlung früh einsetzt, sobald erste Anzeichen festgestellt werden können: nach der Geburt oder in den ersten Lebensjahren. Später sind Behandlungen viel langwieriger und manchmal nur teilweise oder gar nicht erfolgreich.

Vom Schielen zur Einäugigkeit

Wer schielt, wird praktisch einäugig: Um bei den sich überlagernden Sinneseindrücken den Überblick nicht zu verlieren, schaltet das Hirn ein Auge vom Wahrnehmungsprozess aus. Mit nur einem Auge kann man nicht plastisch sehen und Distanzen richtig einschätzen, was die Umweltwahrnehmung und nicht zuletzt auch die berufliche Entfaltung einschränkt.

Verschiedene Ursachen

Schielen kann verschiedene Ursachen haben, welche das Gleichgewicht der Augenmuskeln stören. In vielen Fällen löst eine Übersichtigkeit das Schielen aus. Ist der Augapfel zu kurz gebaut, wird das Bild nicht scharf auf der Netzhaut abgebildet. Um dies zu kompensieren, versucht das Auge die Linse stark zu wölben und damit scharf zu stellen. Die damit verbundene hohe, zudem oft fruchtlose Anstrengung bewirkt ein Einwärtsschwenken der Augen. Wird die auf beiden Augen unterschiedliche Sehleistung durch eine Brille korrigiert, können sich die Augen normal in paralleler, koordinierter Steuerung entwickeln.

Schielen kann auch auf eine einseitige hochgradige Fehlsichtigkeit oder eine ausgesprochen schlechte Sehschärfe auf nur einem Auge zurückzuführen sein. Glücklicherweise viel seltener sind Lähmungen oder Missbildungen der Augenmuskeln.

Ein kurzzeitiges Schielen kann bei kleineren Kindern auch auf Ermüdungserscheinungen zurückzuführen sein, bzw. kann bei Schlaflosigkeit, beim Zahnen, bei Fieber, Schrecken oder grossem Kummer vorkommen. Dauert der Zustand nicht zu lange, finden die Augen wieder zum koordinierten Sehen zurück.

Korrekturen und Behandlungen

Bei zwei Dritteln der Betroffenen beginnt das Schielen im Kleinkindalter. Vorher war die Zusammenarbeit des Augenpaares normal, nun kann sie durch das Schielen nicht mehr geübt und gefestigt werden. Die Schiel-Therapie soll die Augen wieder zum koordinierten Zusammenspiel bringen. Verschiedene Wege können zum Ziel führen, oft werden auch unterschiedliche Methoden kombiniert angewendet.

Korrigieren der Über- bzw. Kurzsichtigkeit durch eine Brille
In einigen Fälle kann eine korrigierende Brille die Hauptursache des Schielens neutralisieren, so dass sich die Augen wieder gerade einstellen. Oft sind aber noch zusätzliche Massnahmen notwendig.


Trainieren und Stärken der Sehkraft
Durch vorübergehendes Zudecken des gesunden Auges wird das Kind gezwungen, mit dem schielenden, sehschwachen Augen zu sehen. Diese Behandlung erfordert Zeit und Geduld, für das Kind im besonderen, aber auch für die betreuenden Eltern. Für die ganz Kleinen ist es schwierig, weil sie den Zusammenhang noch nicht verstehen und plötzlich einen Fremdkörper im Gesicht tragen müssen. Ältere Kinder schämen sich vielleicht, dass sie eine Schielbrille tragen müssen. Dies nicht zuletzt, wenn auch die Eltern deswegen Mühe haben und meinen, ihr Kind sei nicht ganz in Ordnung.
Findige Eltern kleben einen lustigen Sticker auf das abgedeckte Glas und etwas feinsinnige Bekannte fragen nicht: «Was ist denn Schlimmes mit Deinem Augen passiert?» sondern: «Hey, was hast denn Du für einen lustigen Sommervogel auf der Brille!». Schon für Säuglinge gibt es heute geeignete Brillen: mit einem weichen Band anstatt mit Bügeln, leicht, unzerbrechlich und so geformt, dass sie die feine Haut nicht reizen und den Wuchs der noch weichen Knochen nicht beeinträchtigen.


Schieloperation
Helfen andere Therapien nicht, können die am Auge ansetzenden Muskeln operativ verkürzt oder verlagert werden, so dass die beiden Sehachsen wieder parallel stehen. Diese Operation – oft sind mehrere Eingriffe nötig – wird schon im ersten oder zweiten Lebensjahr durchgeführt.